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2017-07-31

Interview zum FDP-Wahlkampf

Interview zum FDP-Wahlkampf
Trifft Christian Lindner mit seinem "Popstar-Wahlkampf" den Nerv der Zeit?

Nach vier Jahren bundespolitischer Abstinenz ist die FDP wieder auf solidem Wege in den Bundestag. Der Erfolg der Liberalen ist eng verknüpft mit einer Person: Christian Lindner. Doch was sind die Chancen und Risiken eines One-Man-Wahlkampfs? Das haben wir den Blogger und Politikberater Martin Fuchs gefragt.

Martin Fuchs ist Politik- und Strategieberater mit einem besonderen Fokus auf digitale Kommunikation. Er berät Regierungen, Politiker und Verwaltungen. Seit 2008 lehrt er an verschiedenen Hochschulen zu den Themen Public Affaris sowie Social Media.




1. Wenn Christian Lindner Sie morgen anruft und um ein Feedback zu seinem Wahlkampf fragt, was würden Sie ihm antworten?

Erstmal würde ich sagen Moin Moin ;) Und dann: Strategie passt, Tonalität passt, Zielgruppenansprache passt. Weitermachen und so durchziehen bis zum Wahltag. Der Wahlkampf wirkt bisher authentisch, agil, smart und angriffslustig.  Genauso wie die Partei sich darstellen will und was die Wähler nach vier Jahren großer Koaltion von einer liberalen Kraft erwarten. Einziges Manko ist die sehr starke Fokussierung auf die Person Lindner. Ich würde ihm also bewusst empfehlen, sich etwas rarer zu machen und anderen Parteikollegen ab und zu den Vortritt zu lassen.   


2. Trifft Christian Lindner mit seinem „Popstar-Wahlkampf“ den Nerv der Zeit?

Für seine Person passt das Image perfekt. Er ist telegen, reaktionsstark, rhetorisch perfekt und er weiß sich zu inszenieren. Trotzdem schafft er es neben all der Inszenierung Themen zu setzen und diese breit zu streuen. Mit Blick auf die potentiellen Zielgruppen der Partei würde ich sagen, dass er den Nerv der eigenen Wähler punktgenau trifft. 


3. Was sind die Risiken und Chancen für die FDP, den Wahlkampf so stark auf eine Person zu fixieren?

Ganz klar, das ist die Achillesferse der Kampagne. Lindner ist ja bereits seit 2013 omnipräsent, spätestens seit dem Landtagswahlkampf in NRW ist er auch deutschlandweit sehr viel medial und via Social Media sichtbar. Bis zur Wahl sind es noch gut acht Wochen, die Fokussierung auf eine Person kann zum Verdruss der Wähler führen. Und bei einem Fehler von Lindner würde die ganze Partei leiden. Deshalb sollte die FDP weitere liberale Köpfe stärker ins Schaufenster stellen und deren Expertise besser in die Kampagne einbauen.