Aktuelles-Icon

News

2017-08-24

Kommunikationstrend August

Kommunikationstrend August
Breitbart: Hände an die Waffen - oder eher: Getöse eines Verlierers? 

von Isabella Pfaff

Fangen wir doch so an: "Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit". Dieses geflügelte und so zutreffende Wort stammt von dem US-Politiker Hiram Johnson, einem Republikaner, und bezog sich auf den Ersten Weltkrieg. Nicht viel friedlicher als damals ist inneramerikanische politische Kommunikation heute. "Krieg", twitterte Joel Pollack, ein Autor des ultrarechten Magazins Breitbart in dieser Woche, nachdem Stephen Bannon die Regierung Trump verlassen hat, oder – verlassen musste? Und Stephen Bannon ergänzte: "Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg." 

Kriegsrhetorik ist die Umgangssprache von Stephen Bannon, Ex-Berater des US-Präsidenten Donald Trump und seit ein paar Tagen, erneuter Chefredakteur des Onlinemagazins Breitbart. 

Über die Gründe des Abgangs von Stephen Bannon kann man nur spekulieren. Entweder wurde er vom neuen Stabschef des Weißen Hauses, General John F. Kelley, "gegangen", oder er ging tatsächlich selbst. Es gibt aber noch eine Variante, die sehr viel Sinn ergibt: Donald Trump und Bannon kamen überein, dass Bannon als geistiger Vordenker und Anführer der "Alt-Right"-Bewegung mehr Einfluss hat und Trump letztlich mehr nutzen kann, wenn er via Medien die öffentliche Meinung beeinflusst, als wenn er in eine – wie auch immer geartete – Kabinetts-Disziplin eingebunden ist. Im Kabinett Trump war er öffentlich nicht wahrnehmbar. Als Chefredakteur eines der wichtigsten rechten Medien in den USA ist er Meinungsführer. 

Die Kampfansage und die Kriegsrhetorik von Bannon und Pollack machen Angst. Nach den Ereignissen in Charlottesville, kann man nicht sicher sein, ob der Ankündigung nicht auch (Gewalt-)Taten folgen. 

Aber: kehren wir zurück zum Anfang. Wie im Ersten Weltkrieg ist auch bei diesem angekündigten (oder erklärten?) Krieg die Wahrheit das erste Opfer. Denn eines zeigen die aktuellen Zahlen ganz deutlich: Breitbart ist nicht mehr die Kampfmaschine und Meinungsmacher, die sie einmal war. Breitbart hat sogar erheblich an Einfluss, Leser und Unterstützer verloren. Und das in einem Zeitraum von nur sechs Monaten. Comscore, eine Marktforschungsfirma, hat folgende Zahlen veröffentlicht: Breitbart wird aktuell von ca. 12,4 Millionen Leser angeklickt. Das ist nur noch ein bisschen mehr als die Hälfte vom Höchstwert aus dem November 2016. Da kam Breitbart auf ca. 23 Millionen Leser. Und eine weitere Studie zeigt, dass die Zahl der Firmen, die Werbung auf Breitbart schalten, zwischen März und Mai von 242 auf 26 gefallen ist. 

Das sind erhebliche Reichweitenverluste und vor allem erheblichste finanzielle Einbußen. Breitbart ist aber nicht das einzige, wenn auch vielleicht wichtigste Medium der Ultrarechten, dem die Leser weglaufen. Auch Webseiten wie National Review Online, Infowars und Drudge Report verlieren an Zustimmung. Selbst der Leib- und Magen-Sender von Präsident Donald Trump, der konservative TV-Sender Fox News, rutscht – zum ersten Mal seit über 15 Jahren – in den Einschaltquoten-Ranglisten hinter die Konkurrenten von MSNBC und CNN. 

Interessanterweise lassen sich bei all den genannten Medien die Einbußen mehr oder weniger auf ein Datum zurückführen: Auf den 9. Mai 2017. Das war der Tag, an dem FBI-Chef James Comey von Trump entlassen wurde. 

Laut dem amerikanische Marktforschungsinstitut Nielsen war es den konservativen Lesern und Zuschauern nicht mehr zu vermitteln, warum Comey, der monatelang als "Held" der "Clinton-E-Mail-Affäre" von den Rechten gefeiert wurde, nun auf einmal gefeuert wurde. 

Diese Zahlen zeigen – die rechten Medien, von Online bis Fernsehen – sind schwach wie nie. Ob sie wirklich noch "Waffen" sind, wie Stephen Bannon meint, oder nicht vielmehr ums (finanzielle) Überleben kämpfen, das werden die nächsten Monate zeigen. Auch das könnte ein Grund sein, dass Stephen Bannon aus der Regierung ausgeschieden ist – er möchte Breitbart retten. Sein Lebenswerk.

Wenn wir also der Wahrheit in diesem medialen "Krieg" ans Licht verhelfen wollen, dann stellen wir fest: die Ultrarechten in den USA stehen nicht mit "Waffen", sondern mit ziemlich heruntergelassenen Hosen da.

Foto: © CC BY-SA 2.0