Ich bin eben wieder über die 2007er AIM-Studie gestolpert. Wissenschaftler aus elf Staaten haben versucht heraus zu finden, warum die Bedeutung europäischer Politik in den Massenmedien so gering ist. Die Ergebnisse sind noch immer aktuell:
“Wenn in europäischen Medien über die Europäische Union berichtet wird, dann vor allem in überregionalen Zeitungen. Insbesondere in regionalen Tageszeitungen – die in zusammengenommen Deutschland die meisten Leser haben – und im Privatfernsehen spielt die EU weiterhin nur eine Nebenrolle – trotz wachsendem Einfluss der Institutionen in Brüssel. Den Redaktionen fehlt es an Personal und Wissen für die EU-Berichterstattung. Regionalzeitungen und Privatsender [greifen] fast ausschließlich auf freie Mitarbeiter, Pool-Korrespondenten oder Nachrichtenagenturen. So bedient beispielsweise ein deutscher EU-Korrespondent bis zu 15 regionale Zeitungen. Ein Eingehen auf die individuellen Leserschaften oder gar eine Regionalisierung von EU-Nachrichten ist so nicht möglich. [...] Obwohl die EU mittlerweile großen Einfluss auf nationale Politik hat, fällt die Berichterstattung weiterhin oftmals in das Ressort „Außenpolitik“. [...] Spezielle Seiten oder Sendeplätze für Nachrichten aus Brüssel halten nur die nationalen Zeitungen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bereit. Sie greifen als Einzige auch Themen von europaweiter Bedeutung auf bei denen keine direkte Verbindung zur nationalen Öffentlichkeit besteht.”
Allerdings liegt das Problem nicht nur bei den Medien, die allgemein zu wenig, insbesondere aber zu wenig spezialisiertes Personal haben. Auch die Behörden machen interessierten Journalisten den Zugang nicht leicht.
“Nur die Pressesprecher der Behörde dürfen sich offiziell gegenüber den Medien äußern. Die jeweiligen Experten aus den Behörden dürfen in ihrer Funktion als Beamte Themen und aktuelle Diskussionen nicht kommentieren. So dringen kaum interne Kontroversen und Konflikte nach außen, sondern nur weichgespülte Medieninformationen. [...] Auch mit der Qualität der Pressesprecher waren viele der befragten Journalisten nicht einverstanden. Nur einzelne Fachgebiete seien mit erfahrenen Sprechern und Medienexperten, die die Bedürfnisse der Medien kennen, besetzt. Diese bombardieren Journalisten wahllos mit Unmengen an Informationen – ohne diese zu gewichten.”
Zusammenfassung der Ergebnisse hier
AIM-Webseite